‍Liebe Gemeinde, immer wieder kommen Menschen in ausweglose Situationen. Wo ein Leben oder eine Existenz auf dem Spiel steht. Wo es nicht mehr weitergeht.


‍Um die Jahreswende 2008/2009 bangten wir um das Leben unseres ungeborenen Sohnes. „Jetzt hilft nur noch beten!“ dachte ich in dieser schweren Situation. Aber wie beten, wenn der Glaube selbst auf dem Prüfstand steht? In diesen Tagen lernte ich, dass Glauben immer zwei Seiten hat: Da sind Angst und Zweifel. Aber auch das Vertrauen, dass es irgendwie gut gehen wird. In der Bibel lese ich von einem Vater, der ähnlich verzweifelt war (Markus 9,17–27). Sein Sohn hat „von Kind auf“ epileptische Anfälle, die sogar sein Leben bedrohen – und keiner kann ihm helfen. Eine letzte Hoffnung hat er noch: Dass Jesus ihm helfen kann. Er bringt seinen Sohn zu den Jüngern und bittet sie um Hilfe. Aber auch die können nichts tun. Dann wendet er sich an Jesus selbst. Und der sagt nur: „Alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt.“ Da platzt es aus dem Vater heraus: „Ich glaube, ich will es ja glauben, ich sehe doch auch keinen anderen Weg mehr, als dir zu vertrauen, dass du helfen kannst. Lass uns jetzt bitte nicht im Stich!“ Ich weiß, wie er sich fühlt. Es ist die letzte Hoffnung, von Zweifeln durchsetzt. Jesus heilt den Jungen. Ende gut, alles gut.

‍Was aber, wenn es nicht gut geht? Auch das habe ich erlebt. Allerdings auch, dass Leid nicht zwangsläufig dazu führen muss, den Glauben zu verlieren. Manchmal ist es gerade der Glaube, der in schweren Situationen Halt und Kraft gibt. Und wenn es nur darum geht, den nächsten Schritt zu tun. Oder eben nicht zu verzweifeln, sondern Ruhe zu bewahren. Ich bin mir sicher, dass uns genau das damals geholfen hat.


‍Und deshalb gehe ich auch hoffnungsvoll in das neue Jahr, geleitet von Worten des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein hoffnungsvolles neues Jahr!


‍Ihre Pfarrerin Simone Rasch

Diese Website verwendet Cookies. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung für Details.

OK